215 Milliarden E-Mails werden 2016 gemäss einer Schätzung des Marktforschungsunternehmen The Radicati Group verschickt – pro Tag! Auch wenn ein guter Teil davon Spam – also unerwünschte E-Mails – sind, eine schier unglaubliche Zahl. Das sind um die 25 Mails pro Erdenbewohner (wovon immer noch die Hälfte keinen Internetzugang hat).

Doch wie finden E-Mails eigentlich ihren Weg zum Empfänger? Was auf den ersten Blick ganz einfach aussieht (einfach von A nach B schicken), ist dann im Hintergrund doch etwas komplizierter. Als Mensch bekommt man davon im Normalfall allerdings nichts mit.

Die grosse Reise durchs Internet
Die Vorbereitungen für das Verschicken Deines E-Mails beginnen bereits im E-Mail-Programm oder im Webmail. Hat man erst mal auf „Senden“ geklickt, wird die Nachricht als allererstes in zwei Teile aufgeteilt. Im sogenannten „Header“ werden Informationen zum Absender und Empfänger, aber auch der Betreff und das Datum gespeichert. Der eigentliche Inhalt wird im „Body“ festgehalten: Also der Text, aber auch Bilder und Anhänge.

Dann gehts auf grosse Reise: Der Mail-Client kontaktiert unseren Mailserver und übergibt ihm zuerst den Header und dann den Body. Zuerst überprüft unser Mailserver die ihm anvertraute Nachricht: Befinden sich Viren oder andere bösartige Inhalte darin? Wie gross ist die Nachricht, passt sie in unseren Briefkastenschlitz? Erst danach ermittelt er aufgrund der E-Mail-Adresse des Empfängers den nächsten Mailserver, an welchen das E-Mail zu senden ist.

Verschlüsselt, wo immer möglich
Gleich bei der ersten Kontaktaufnahme, fragen unsere Mailserver ob der Empfängermailserver denn auch verschlüsseln kann. Unterstützt der empfangende Server dies, handeln wir eine verschlüsselte Verbindung aus, und versenden das ganze E-Mail damit geschützt vor Schnüfflern, die irgendwo am transatlantischen Kabel oder einfach bequem an einem Internetknoten horchen könnten. Das ist wichtig, denn ohne Verschlüsselung wird der Inhalt des E-Mails im Klartext – wie eine Postkarte – durchs Internet geschickt. Trotzdem unterstützen auch 2016 noch immer einige Anbieter die Verschlüsselung zwischen den Mailservern nicht.

You’ve got mail!
Doch auch damit ist das E-Mail noch nicht beim Empfänger. Denn der Mailserver des Empfängers prüft als erstes, ob die E-Mail-Adresse, an die das E-Mail gerichtet ist, bei ihm überhaupt existiert. Und gleich danach, ob ihm die Nachricht nicht zu gross ist. Jeder Anbieter entscheidet nämlich für sich, wie gross eine E-Mail maximal sein darf. Danach folgen weitere Prüfungen, etwa auf Spam oder Viren. Erst dann ist das E-Mail am Ziel und wird im Postfach des Empfängers abgelegt.

So einfach der Klick auf „Senden“ also ist: Im Hintergrund setzt man damit eine ganze Maschinerie in Gang.

E-Mail: Der lange Weg zum Empfänger

Thomas Brühwiler

Tom Brühwiler ist bei Hostpoint Head of Communication und zudem verantwortlich für die Aktivitäten im Social-Media-Bereich. Er tippte schon als Jugendlicher auf einem Commodore 64 und schrieb seitenweise Basic-Code aus Heften ab. Meist aber nur, um danach festzustellen, dass sich im Zeichensalat ein Fehler eingeschlichen hat – und das Programm gar nicht läuft. Trotzdem kann er sich heute ein Leben ohne Computer nicht mehr vorstellen.

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