Der Cloud-Anbieter Akamai Technologies berichtet regelmässig über den Stand des Internets, über technische Trends und über aktuelle Bedrohungen. «The State of the Internet» ist eine spannende Informationsquelle für alle, die sich intensiver mit der Entwicklung des World Wide Web beschäftigen.

Der aktuelle Report (herausgekommen Mitte 2014) enthält einige interessante Zahlen, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Sie zeigen unter anderem, dass die Schweiz in Sachen Internet weltweit eine Spitzenstellung einnimmt. Vor allem dort, wo es um «das Gute» geht. Bei «den Bösen» liegt sie nirgends auf den vorderen Plätzen …

Need for Speed
Die «Breitband-Grenze» von 4 MBit/s ist geknackt: Weltweit ist die durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit dank dem stetigen Ausbau der Netze auf 4.6 MBit/s gestiegen. Mit einem Durchschnitt von 24.6 MBit/s führt Südkorea vor Hongkong (15.7) und der Schweiz (14.9). Auf den folgenden Plätzen: Japan, die Niederlande, Schweden, Lettland, Irland, die Tschechische Republik und Rumänien. Ähnliches zeigt sich beim prozentualen Anteil an «High Broadband Connectivity» (über 10 MBit/s): In Südkorea haben 78 % der User Zugriff auf schnelle Verbindungen, in der Schweiz 56 %, in Japan 54 %. Die Zukunft verlangt aber noch höhere Verbindungsgeschwindigkeiten, vor allem um Ultra-HD-Videos zu streamen. Die «4K Readyness» (über 15 MBit/s) hat sich im letzten Jahr weltweit praktisch verdoppelt; bei Spitzenreiter Südkorea sind nun 62 % der Anschlüsse 4K-ready. Die Plätze 2 bis 5 belegen Hongkong (34 %), Japan und die Schweiz (33 %) sowie die Niederlande (30 %).

IPv6 auf dem Vormarsch
Das Internet Protocol Version 6 (IPv6) scheint sich langsam aber sicher durchzusetzen. Wurde aber auch höchste Zeit – denn in Asien, Ozeanien und Europa ist es bei der Vergabe von IP-Adressen ziemlich eng geworden; die Verfügbarkeit tendiert vielerorts in Richtung null. Mit den zusätzlichen Möglichkeiten von IPv6 wird dieser Trend gestoppt. Entsprechend wächst die Anzahl der Anfragen in IPv6 – vor allem in europäischen Ländern. Spitzenreiter ist Belgien (19 % des Datenverkehrs), gefolgt von der Schweiz (10 %), Luxemburg und den USA. Deutschland (5,8 %) und Frankreich (4,8 %) belegen die Plätze 7 und 8.

Was treibt das Internet so – und wohin steuert es
shadow

Ungebrochene Angriffslust …
Die Abwehr von Angriffen auf Computer und Systeme gehört zum täglichen Brot der Verantwortlichen. Akamai hat untersucht, aus welchen Ländern am meisten Angriffe gestartet werden. Es führt (nicht überraschend) China mit 43 %, gefolgt von «Aufsteiger» Indonesien (15 %) und den USA als erstem westlichem Land (13 %). Auf den weiteren Plätzen: Taiwan (3,7 %), Indien (2,1 %), Russland (2 %), Brasilien (1,7 %), Südkorea (1,4 %), Türkei und Rumänien (je 1,2 %).
Und welche (offenen) Hintertürchen werden für die Angriffe genutzt? Port 80 (www/http, 15 %) hat Microsoft-DS (Port 445, 14 %) an der Spitze abgelöst; Telnet (Port 23, 10 %) liegt auf Platz 3, gefolgt von SSL (Port 443, https), Microsoft SQL Server (Port 1433, 6,7 %), http Alternate, Microsoft Terminal Services, SSH, MySQL und Microsoft RPC. Interessanterweise haben die DDoS-Angriffe im Vergleich zu 2013 insgesamt abgenommen. Im Vordergrund standen eher Themen wie Heartbleed (der Programm-Bug in OpenSSL, der ausgerechnet das Eindringen über gesicherte Verbindung ermöglichte). Aber auch DDoS-Angriffe über das traditionell etwas unsichere Netzwerkverwaltungsprotokoll SNMP bleiben aktuell. Dazu die heimtückische Zeus-Malware, die für den Datendiebstahl (kritische Unternehmensdaten oder Zugangsdaten für Bankverbindungen) eingesetzt wird. Der immer noch aktive Storm-Trojaner. Und neu, mit steigender Tendenz, auch das DNS-Hijacking und -Poisoning, bei dem der Angreifer DNS-Einträge unter seine Kontrolle bringt und über die Seite seine kriminellen Machenschaften abwickelt.

Und wie steht es mit den Handys?
Der mobile Datenverkehr entwickelt sich rasant. 2007 machten die Datenverbindungen nur einen Bruchteil der Nutzung der mobilen Netze aus – und heute werden 10-mal so viele Daten wie Gespräche übertragen. Allerdings haben wir in der Schweiz noch einigen Nachholbedarf, was die Leistungsfähigkeit der Netze betrifft. Der Standard 4G/LTE ist noch lange nicht überall nutzbar, das neue 4G+, das in einigen Städten angeboten wird, erreicht nur einen kleinen Teil der User. Entsprechend weit hinten liegen wir in der weltweiten Speed-Rangliste: Neuseeland liegt mit 26 MBit/s an der Spitze, gefolgt von den VAE, China, Singapur, Dänemark und Luxemburg. Die Schweiz liegt auf dem 14. Platz (18 MBit/s). Noch weiter hinten finden sich unsere Nachbarn: In Deutschland (Rang 23) und Österreich liegt der Schnitt sogar unter 16 MBit/s. Die USA liegen mit weniger als 14 MBit/s auf Rang 32 …

Das Ende der Fahnenstange?
Die Verbindungsgeschwindigkeit und der Datendurchsatz werden auch in den nächsten Jahren rasant steigen. Glasfasernetze (heute gibt es in der Schweiz bereits Anbieter mit 940 MBit/s im Up- und Download) und schnellere Mobil-Verbindungen (mehr oder weniger flächendeckendes 4G bzw. das doppelt so schnelle 4G+/LTE Advanced) werden viele neue Möglichkeiten eröffnen. Vor allem im Bereich der mobilen Geräte: Film-Download, TV-Streaming, das Uploaden eigener Filme und das Herunterladen von Apps und Musik auch von unterwegs dürften zum Standard werden. Vorausgesetzt, die unlimitierten Flatrates sind erstens bezahlbar und werden zweitens nicht nach ein paar heruntergeladenen Gigabytes auf Schneckentempo heruntergebremst …

Was treibt das Internet so – und wohin steuert es

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

3