Nehmen wir an, du baust dir ein Start-up-Unternehmen auf: eine Bootsvermietung. Und du suchst dir dazu einen geilen Namen. Wir meinen erstens: Bevor du dich in deinen neuen Namen verliebst, solltest du gleich checken, ob die entsprechende Domain noch frei ist. Und falls ja, fängt die strategische Arbeit erst an!

Wir könnten dir jetzt viele Tipps zum Naming geben. Aber da gibt es kompetente Spezialisten, denen wir nicht ins Gärtli trampen möchten. Doch es gibt Entscheidungen, die du gleich schon am Anfang treffen kannst. Zum Beispiel ob du einen Fantasienamen (Shenandoah GmbH oder dergleichen) oder doch lieber einen «sprechenden» wie beispielsweise «Bootsvermietung Stünzi AG» haben willst. Obwohl der halt schon ein bisschen stier ist. Bei einem Fantasienamen solltest du dir als Erstes die Frage stellen: Wirst du den am Telefon immer erst einmal buchstabieren müssen? Falls ja: Vergiss es. Ausser du willst gleich einen Weltkonzern aufbauen, der später sogar in den Duden aufgenommen werden soll (so wie «googeln» unterdessen drin ist). Aber Shenandoah wäre doch wirklich hübsch. So hiess unter anderem auch mal eine amerikanische Viermastbark, und so etwas zu vermieten wäre natürlich ein Traum! Jetzt denk doch bitte an deine arme Telefonistin. Und auch an die vielen Internetnutzer, die diesen Namen auch nicht fehlerfrei schreiben können. Ist eh schon vielerorts vergeben. Also etwas anderes. Vielleicht Meeresgötter? Nereus, Poseidon, Neptun? Alles schon überall besetzt. Huixtocihuatl? Hä …? Mazu? Tangaora? Jetzt bessert’s.

Tangaoradotcom: Hauptdomainstrategie
Möglich, dass du deine Bootsvermietung wirklich international positionieren willst. Dann wäre der Maori-Meergott Tangaora ein wunderbarer Namenspatron. Als tangaora.com ist die URL noch verfügbar. Pack deine Chance. Und reservier das Ding gleich noch heute. Damit kannst du eine saubere globale Hauptdomainstrategie verfolgen. Eine gute Wahl: Wenn du mit einem Marken-/Domainschwerpunkt arbeitest, verzettelst du dich weniger. Denn du musst nur eine Domain bewirtschaften. Die Nutzer finden alles unter einer Adresse, du setzt einfach Links auf andere Länder- und Sprachversionen (tangaora.com/de, tangaora.com/fr, tangaora.com/ch/de) und hast am Schluss eine Website mit viel relevantem Inhalt: Google wird die Seite als ziemlich wichtig betrachten. Und du kannst dich mit einem einheitlichen Design einfach profilieren.

Mach’s doch wie Wikipedia! Subdomainstrategie
Die Wikipedia wird ihren Grund gehabt haben, diese Strategie zu wählen. Für ein international tätiges Unternehmen ist das auch gar nicht falsch: Du betreibst mit tangaora.com nur eine Domain, und mit dem vorgängigen Länderkürzel – ch.stuenzi.com, de.tangaora.com und li.tangaora.com für die Vaduzer Filiale – kannst du den einzelnen Ländern eigene Seiten zur Verfügung stellen. Jedem Besucher ist sofort klar, wo die Filiale zuhause ist, die Subdomains können allenfalls im jeweiligen Land gehostet werden, dir kann niemand eine länderspezifische Domain wegschnappen, die verschiedenen Sprachen und Länder können klar getrennt werden. Nachteil: Der ganz gewöhnliche User hat diese Art der Domainnamen einfach nicht so gern. Wenn er eine Seite in der Schweiz sucht, dann hat er sein .ch lieber am Schluss als am Anfang. So ist er es sich einfach gewohnt!

Domainstrategie: über Namen und Endungen
shadow

Punkt und ch: länderspezifische Domainstrategie
Du befürchtest natürlich, dass die Bootsvermietung Tangaora nicht so schnell wachsen wird. Deshalb ziehst du länderspezifische Domains in Betracht, die du mit der Zeit aufbauen kannst – .ch, .li, .fr und so weiter. Für deine Firma sind alle noch frei. Schön für dich: Jetzt kannst du tangaora.ch, tangaora.de, tangaora.eu (für deine zukünftige europaweite Tätigkeit) reservieren. Wenn du gleichzeitig in mehreren Ländern tätig bist, ist das eine gute Strategie. In den lokalen Suchresultaten wirst du besser gefunden. Zudem kannst du für jedes Land eine speziell (auch dem lokalen Stil) angepasste Seite bauen. Hier mit Dampfbooten, dort mit Segelyachten und wieder woanders mit Schilfbooten … Für jede länderspezifische Seite wirst du viele Klicks erhalten, vermutlich fast mehr als auf eine .com-Seite. Und das wird Google ebenfalls honorieren. Jede URL ist einfach – und einfach zu memorieren. Lokalpatrioten (und die gibt es überall zuhauf) klicken viel lieber auf länderspezifische Domains. Du hast mehrere Domains, die im Ranking weit oben stehen können. Und so weiter. Funktioniert halt einfach! Obwohl der Linkaufbau halt etwas schwieriger, das Betreiben der vielen Seiten etwas teurer und die Vergabe der Domain nicht in jedem Land gleich einfach ist.

Jetzt wird’s lustig: neue Domains (GTLD)
Du wärst vermutlich der erste Bootsvermieter, der auf diesen Zug aufspringt. Erkundige dich doch, ob es lokale neue Top Level Domains für die Standorte deiner Filialen gibt: tangaora.zuerich, .berlin, .koeln; oder du willst dich als der Bootsvermietungsspezialist etablieren und wählst tangaora.guru oder tangaora.expert; oder wie wär’s zum Beispiel mit tangaora.holiday, tangaora.voyage – oder wenn du Solarboote vermietest, mit tangaora.solar? Es gibt unzählige Möglichkeiten, und es werden immer mehr. Ein Wermutstropfen: Diese neuen Domains sind im Allgemeinen noch ziemlich teuer. Und: Die User sind sich noch nicht an diese Endungen gewohnt. Aber du wirst eine (oder mehrere) sehr, sehr exklusive URLs dein Eigen nennen!

Einspruch, Herr Stünzi!
Da kommt jetzt plötzlich noch eine kleine, aber doch hörbare Stimme aus der Ecke: «Wie war das jetzt mit der sprechenden URL?» Stimmt. Das haben wir fast vergessen. Wir müssen dem Herrn Google schliesslich auch ein bisschen helfen, damit er uns hilft. Die obigen Strategien sind alle wunderbar, wenn dein Unternehmen schon eine gewisse Bekanntheit hat. Vor allem dann, wenn Tangaora weltweit ein Synonym geworden ist für Bootsvermietung, ungefähr so, wie Hertz für Autovermietung steht. Dann funktioniert das grossartig.

Etwas anders ist es, wenn du mit deinem Start-up in Rapperswil beginnst (und dann vielleicht mal der Goldküste nach expandieren willst). Dann wirst du mit deinem exotischen Tangaora-Ding möglicherweise ein klein bisschen daneben sein, weil die Leute ja nach Bootsvermietung und Zürichsee oder Rapperswil googeln. In diesem Fall könnte es sogar von Vorteil sein, wenn du eine stinknormale URL wie stuenzi-bootsvermietung.ch wählst! Denn Google findet es auch gut, wenn deine URL schon genau das aussagt, was dahintersteckt. Und irgendwann wissen die Leute dann auch: Boote mietet man am Zürichsee beim Stünzi. Und wenn sie dann Stünzi Bootsvermietung eingeben, dann bist du der King auf der lokalen Trefferliste. Mit Garantie.
Wie immer du es anpacken willst: Wir wünschen schon mal viel Spass beim Naming und beim Austüfteln deiner Domainstrategie!

Domainstrategie: Über Namen und Endungen

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

4