Nichts ist einfacher als einen Online-Shop einzurichten: Es gibt dafür einfache Programme, die einem die Arbeit extrem erleichtern. Doch wie überall lauert der Teufel im Detail – und das nicht nur im Bereich der Gestaltung, sondern bereits beim grundsätzlichen Konzept und bei den rechtlichen Anforderungen.

Schön, du hast also eine wunderbare Idee entwickelt, wie du mit einem Online-Shop zu Geld kommen kannst. Dein Schuhzubehör-Geschäft hat 24 Stunden pro Tag offen, 365 Tage im Jahr. Deine Datenbank ist gut gefüllt mit Einlagen, Socken, Schuhwichse und Anschnallspikes, mit Produktbeschreibungen und Fotos. Dein Lager ist voll. Es kann losgehen!

Fehler über Fehler …
Merkwürdig, die Bestellungen tröpfeln nur sporadisch herein. Jetzt solltest du dir ganz genau überlegen, woran das liegt.

Die häufigsten Fehler: Die Navigation ist zu schwierig und verwirrend, die Suchfunktion ist unzureichend, die Produktbeschreibungen sind unklar, langweilig und leserunfreundlich formuliert, die Produktabbildungen sind mikroskopisch klein – und überhaupt sieht die Seite eigentlich ziemlich unattraktiv aus. Ganz schlimm: Du hast die Responsivität vergessen – dein Shop sieht auf Smartphones aus wie ein klitzekleiner digitaler «Kinder-Verchäuferlilade». Und weiter: Deine AGB sind unklar oder gar nicht vorhanden, die Kundenservice-Optionen sind schlecht, man hat keine Auswahl zwischen verschiedenen Bezahlungsarten – und zu guter Letzt findet sich nirgends ein Hinweis auf Versandkosten. Hast du schon mal für dich versucht, in deinem eigenen Shop eine Bestellung von A bis Z durchzuziehen? Wie einfach ist der Bestellvorgang? Schreckst du Erstkunden damit ab, dass sie erst ein Kundenkonto eröffnen müssen? Mach es wie die Grossverteiler und Warenhäuser: Führe deine Kunden auf einem möglichst attraktiven, abwechslungsreichen und doch direkten Weg zur Kasse!

Fehlerfalle Online-Shop
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Alles okay, keinen Fehler entdeckt?
Vielleicht solltest du einmal schauen, ob Google dich überhaupt findet. Und falls ja, wo du gelistet wirst (auf Seite 3 reicht nicht!). Da solltest du also noch ein bisschen Zeit in die Suchmaschinenoptimierung investieren! Aber Google ist nicht der einzige Bus, der Kunden in dein Geschäft bringt. Steigere die Bekanntheit, mach deinen Laden zum Thema in Blogs und sozialen Medien, schalte Werbung, zum Beispiel via Google AdWords oder Banner auf Partnerseiten, schicke E-Mails an alle deine Kontakte. Dann: Bring Leben in den Laden, mit Promotionen, Sonderangeboten, Sale-Wochen und Wettbewerben. Aber mach dich nicht durch schreierische Dauer-Aktionen zum Billig-Anbieter mit Mini-Margen. Aus dieser Falle kommst du nicht mehr heraus!

Halte dein Angebot up to date und passe es an die Trends der Zeit an. Regelmässig, immer wieder. Überwache den Traffic auf deiner Site. Am besten jeden Tag. Woher kommen deine Kunden, was kaufen sie, wann, wie viel, wie bewegen sie sich durch deinen Shop? Suche nach Gesetzmässigkeiten – und zieh Konsequenzen daraus! Funktionieren deine Anzeigen, deine Keywords? Falls nicht: ändern! Frag deine Besucher, ob sie bei dir das finden, was sie erwarten. Sind sie zufrieden mit dem Angebot, dem Service, den Preisen, dem Design? Reagiere, wenn sich ein Problem zeigt! Nirgends ist es übrigens so einfach, die verschiedenen Anbieter zu vergleichen, wie im Internet. Deine Kunden tun das mit Sicherheit. Aber machst du es auch? Vielleicht sind deine Konkurrenten halt einfach besser als du!

Das Kreuz mit dem Recht
In der Schweiz ist das Recht bei Websites und insbesondere Onlineshops nicht ganz so restriktiv (aber restriktiv genug!). Doch sobald dein Shop beispielsweise auch in Deutschland gesehen wird und du sogar dorthin lieferst, musst du ihn zwingend «rechts- und abmahnsicher» gestalten. Denn es gibt da massenhaft Rechtsanwälte, die den ganzen Tag nichts anderes tun als Online-Geschäfte nach rechtlichen Fehlern abzusuchen – und dann ziemlich heftig zu kassieren. Beschäftige dich also eingehend mit der Impressumspflicht und den entsprechenden Vorschriften, mit dem Widerrufsrecht, mit den richtig eingebundenen AGB (die selbstverständlich keine unzulässigen Klauseln enthalten dürfen), mit richtigen Angaben zu Lieferfristen, Preisen und Versandkosten, mit der Datenschutzerklärung, mit dem doppelten Opt-in bei der Registrierung für deinen Newsletter (E-Mail mit Bestätigungslink), mit gesetzlich sauberen Gewährleistungs- und Garantieversprechen – und so weiter.

Dass du keine Texte per Copy/Paste aus dem weltweiten Netz übernommen hast und keine Fotos von anderen Seiten kopiert und in deinen Shop eingefügt hast, sollte ja wohl selbstverständlich sein.

Nun viel Erfolg mit deinem jetzt absolut einmaligen, bunten, anziehenden, rechtlich sauberen und lukrativen Shop!

Fehlerfalle Online-Shop

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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