Jahrelang haben uns HTML4 und allenfalls auch XHTML1 gute Dienste erwiesen. Aber wie alles, was der Mensch entwickelt, haben auch diese Technologien ihre Schwächen. Mit HTML5 soll ein grosser Teil davon behoben werden.

Es soll Leute geben, die sich noch an die blinkenden, bunten Websites der guten alten Neunzigerjahre erinnern. Einige dieser Seiten haben sogar die Jahre überlebt – mit ihren ganzen «Frames» (über die alle Anwender und Programmierer fluchten) und ihrer mangelnden Flexibilität bezüglich der Darstellung auf verschiedenen Bildschirmgrössen. Als nächster Hype kamen die Flash-Intros: Während langer Zeit war «Skip Intro» der meist angeklickte Begriff im Internet. Auch sie sind langsam wieder am Aussterben, vor allem auch deshalb, weil sich Apple dazu entschied, in iOS die Flash-Technologie einfach zu spülen bzw. sie gar nicht erst zu unterstützen. Okay, wir wissen, das lässt sich jetzt ganz einfach in HTML5 lösen. Aber «there are some more things».

Responsivität als Hauptanliegen
Will man Websites auf allen möglichen Devices, vom 27-Zöller im Büro bis zum Smartphönchen, attraktiv darstellen, braucht es eine neue Spezifikation. Schon vor Jahren wurde darauf hingearbeitet, und mit HTML5 steht seit einiger Zeit eine Lösung am Start, die sich über kurz oder lang durchsetzen dürfte. Sie wird es mehr Menschen erlauben, auf Web-Inhalte zuzugreifen – ganz unabhängig davon, mit welchem Gerät sie ins Internet gehen.

XHTML2 oder HTML5?
Für die Nachfolge der alten HTML-Versionen wurden zwei Konkurrenten ins Rennen geschickt: XHTML2.0 und X/HTML5. Das Problem an XHTML2 ist, dass es so definiert wurde, wie nach den Vorstellungen der Entwickler eine Markup-Sprache sein sollte – aber nicht so, wie Markup-Sprachen heute in der Realität eingesetzt werden. Das bedeutet: Hier sitzen viele Teufelchen im Detail; in XHTML2 muss absolut sauber programmiert werden. Im Unterschied dazu ist HTML5 zwar nur ein kleiner Schritt vorwärts – aber ein effizienter. Im Prinzip bewegt es sich in den Grenzen von HTML4 und XHTML1, stellt aber für verschiedene Probleme dieser Markup-Sprachen gute Lösungen bereit. Es orientiert sich stark an aktuellen Webbrowser-Technologien – und vor allem daran, wie Markup-Sprachen bisher eingesetzt wurden. Verschiedene Vorteile werden ins Feld geführt: präzisere Semantik, neue Wege, um mit dem Server zu kommunizieren (Konnektivität), die Möglichkeit, Daten lokal auf der Client-Seite zu speichern und effizienter offline zu arbeiten, einfachere Einbindung von Multimedia-Inhalten, neue, kreative Grafiken und Effekte und damit neue Möglichkeiten, anspruchsvollere Designs zu kreieren.

HTML5 - Was bringts
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Was ist neu an HTML5?
Was bleibt, ist die Trennung der Website-Beschreibung in drei Bereiche: Für das Markup, also die inhaltliche Seite, ist HTML5 zuständig, CSS ist verantwortlich für Layout und Darstellung und JavaScript steuert das Verhalten der Seite und ihrer Elemente. Daran wird nicht gerüttelt; CSS3 kann einfach die Optik von Webseiten näher an Desktop-Anwendungen bringen und befreit JavaScript von Designaufgaben, die es früher oft auch noch übernehmen musste. HTML5 steht für wichtige Neuerungen und Erweiterungen von HTML: neue Formular-Elemente, Drag & Drop, Offline-Speicher, Geolocation und Local Storage, bessere Kooperation mit CSS3 und JavaScript. Wichtig dabei ist, dass HTML5 kompatibel ist zu älteren Standards wie HTML3, HTML4 und XHTML. Diese Standards wurden eingesetzt, um Webseiten zu programmieren; HTML5 ermöglicht zusätzlich die Erstellung echter Web-Apps, also von Online-Anwendungen, die Desktop-Programmen schon sehr nahe kommen, und für eBooks, die ebenfalls auf HTML, CSS und JavaScript aufbauen.

Gute Gründe für HTML5
Es gibt gute Gründe, HTML5 einzusetzen: Es gibt neue Möglichkeiten für Styling und Effekte, neue Tags erleichtern Screenreadern die Navigation, es gibt 13 neue Eingabefelder für Formulare, mathematische Formeln können integriert werden, neue und sogar selbst definierte Attribute ermöglichen den Zugriff über JavaScript, und um den HTML-Seiten ein Gedächtnis zu geben, ohne auf serverseitige Anwendungen angewiesen zu sein, werden die guten alten Cookies ersetzt durch Local Storage/Session Storage. Statt wie früher Tabellen zu benutzen, um Layouts zu realisieren (man hätte das eigentlich nie tun sollen, aber es wurde trotzdem gemacht …), wird das Styling über CSS noch wichtiger. Ein Kommentator im Web brachte es ungefähr so auf den Punkt: Für die reine Seitengestaltung muss man mit HTML5 zum Glück nicht viel dazulernen – diese Zeit sollte man lieber für das vertiefte Studium von CSS nutzen …

Mehr Informationen über HTML5 gibt es beispielsweise unter www.w3.org oder
https://developer.mozilla.org/de/docs/Web/HTML/HTML5.

HTML5: Was bringt’s?

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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