Alle sprechen über Marketing und Werbung via soziale Medien. Und dass das der ultimative Weg sei, fast gratis und unglaublich wirksam zu werben. Alle versprechen einem Unternehmen, das noch nicht präsent ist, das Blaue vom Himmel: Ohne Facebook-Seite kein Erfolg! Und: Wer nicht dabei ist, hat heutzutage praktisch überhaupt keine Marktchancen mehr! Die Facebook-Suppe wird allerdings nicht so heiss gegessen, wie sie da gekocht wird. Es gibt viele Gründe, dabei zu sein – aber es gibt auch gute Gründe, sich in Zurückhaltung zu üben. Zum Beispiel weil für einen kraftvollen Auftritt die personellen Ressourcen fehlen. Deshalb:

Ein entschiedenes Jein zur Facebook-Firmenseite
Auf Facebook können wir mit einem jungen Publikum in Kontakt treten! Alle Jungen der Welt ansprechen! Das wird unsere Verkäufe in die Höhe treiben, und Stifte werden wir auch nicht mehr gross suchen müssen!
Denkste. Eine Studie aus dem Jahr 2013 hat ergeben: Für die Lehrstellensuche spielt Facebook bei den Jungen keine Rolle. GAR KEINE. Und: Es gibt Facebook-Firmenseiten, die haben Zillionen Fans. Und andere könnten sich genauso gut alle paar Wochen mit ihren paar Followern persönlich und einzeln zum Kaffee treffen.
Kägi (ja, die Firma mit den Kägi fretli) hat über 126’000 Fans, die «Gefällt mir» angeklickt haben. Die Industriefirma Georg Fischer, ein sicher nicht weniger bedeutendes Schweizer Unternehmen, schafft es gerade einmal auf 600. Beide geben sich Mühe, regelmässig neue Inhalte zu posten. Aber beim einen scheint das Ganze gelinde gesagt völlig für d’ Füchs zu sein. Woran das liegt? Ganz einfach: GF versucht dabei zu sein, indem jemand in netter Regelmässigkeit Informationen aus der Firma postet, in denen man sich selber auf die Schulter klopft. Die üblichen PR-Mitteilungen halt. Kägi auf der anderen Seite interagiert mit seinen Fans. Tritt mit ihnen in einen Dialog. Da gibt es Wettbewerbe, Aktionen, Events, Bilder aus dem «Kägimat». Und das Resultat ist die Wahl zur beliebtesten Facebook-Seite der Schweiz.

Facebook-Fans sammeln. Aber wozu eigentlich
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Facebook ist keine Praktikanten-Arbeit!
Wie jede Form der werberischen Selbstdarstellung bedeutet auch das Facebook-Profil, das an sich ja gratis ist, eine Investition. Denn: Ohne durchdachtes Konzept geht gar nichts. «Hauptsache, wir haben eine Facebook-Seite» ist noch lange keine Strategie. Und eine Facebook-Seite ohne Inhalt auch nicht. Es braucht regelmässig neue Beiträge. Und das sind nicht einfach Links auf neue Website-Inhalte oder Pressemitteilungen! Facebook verlangt nach Action. Und das immer wieder aufs Neue. Mehrmals in der Woche. Und: Die Facebook-Seite ist nicht einfach Werbung (am besten überhaupt gar nicht!). Sondern sie ist gelebte Kommunikation mit einer im Voraus bestimmten, klar definierten Zielgruppe. Da reicht es einfach nicht aus, immer mal wieder ein neues Produkt vorzustellen! Also: «Schwätze mit de Lüüt». Und das richtig!

Ein paar Basics
Beschränke dich nicht auf automatisierte RSS-Feeds von deinem Firmenblog oder die News von der Website und die Verlinkung mit Tweets. Interessiere dich dafür, was deine Fans sehen wollen. Und was nicht. Bring Fotos. Stelle speziell für deine Facebook-Fans konzipierte Aktionen zusammen. Reagiere sofort auf Fan-Kommentare. Lösche negative Kommentare nicht einfach, sondern reagiere auch konstruktiv auf Kritik. Sonst droht ein Shitstorm. Und auf den bist du natürlich auch perfekt vorbereitet, oder nicht? Sei unterhaltsam und lustig. Befleissige dich einer nach Möglichkeit zielgruppengerechten, direkten und einfachen Sprache mit kompakten Sätzen und einer allgemein komprehensiblen, man könnte auch sagen volkstümlichen Ausdrucksweise, ohne dabei in einen bemüht jugendlichen Slang zu verfallen. Einige wenige Zeilen genügen! Sag deinen Fans, was sie tun sollen (teilen, antworten, liken, am Wettbewerb teilnehmen). Schreib regelmässig (mehrmals die Woche), aber mülle deine Fans nicht zu. Bring Inhalte, die deinen Fans Mehrwert bieten. Poste also nicht Werbung für deine Pfannen, sondern Kochrezepte! Sei aktuell. Sei authentisch. Sei sozial. Poste zu verschiedenen Tageszeiten – zwischen 10 und 11 Uhr ist nicht schlecht. Oder abends zwischen 19 und 20 Uhr. Lass am besten einen Profi ran (vorzugsweise einen internen). Glaub ja nicht, dass die Zweitjahrstiftin aus der Marketingabteilung in der Lage ist, eine Firmen-Fanseite professionell zu managen, weil sie ja selber auch eine Facebook-Seite hat. Sie kann es nicht.

Und schliesslich: Schalte auf Facebook Werbung für deine Fanseite. Denn von selber wird dein zukünftiges Publikum wohl kaum auf deine Seite finden!

Facebook-Fans sammeln. Aber wozu eigentlich?

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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