Wenn es um Suchmaschinenoptimierung geht, geht es nur um das eine: um Relevanz. Vom ersten bis zum letzten Wort. Wer also «Willkommen auf meiner Website!» titelt, hat bereits verloren. Denn niemand sucht bei Google unter dem Stichwort «Willkommen» nach einem Zahnspangen-Reparateur. Und wenn dann der Zahnspangen-Reparateur unter dem «Willkommen» auch noch sein aus dem Marketing-Lehrbuch abgekupfertes Geschäftsprinzip zum Besten gibt, ist er weg vom Fenster. Zumindest von den ersten paar Suchresultat-Seiten.

Wer heute Texte fürs Web schreibt, sollte einen Begriff kennen: «Hummingbird». Der Kolibri steht für den neuesten Suchmaschinenalgorithmus, den sich Google diesen Herbst zum 15. Geburtstag geschenkt hat – von der Öffentlichkeit fast unbeachtet. Wie schon seine Vorgänger Panda und Pinguin ist er ein lernendes System, das aber von Beginn weg eines beherrscht: unter- und vor allem «überoptimierte» Websites aus den vordersten Rängen der Suchmaschinenresultate hinauszuschmeissen. Was ihn aber richtig revolutionär macht: Sein Website-Leseverhalten ist noch mehr dem Menschen angepasst als das seiner Vorläufer.

Hallo Google - Willkommen auf meiner Website

Google, rück dein Geheimnis raus!
Natürlich weiss niemand genau, wie dieser Algorithmus funktioniert. Klar ist: Wer heute noch mit einem Begriff wie «Keyworddichte» operiert, ist von gestern. Und auch Werkzeuge wie das vielgerühmte WDF*IDF dürften schon bald auf dem Abstellgleis landen. Denn sie sind einfach hochgepushte Versuche, das unbekannte Innenleben eines noch unbekannteren Algorithmus nachzuvollziehen. Nach dem Prinzip: «Die Within-Document-Frequency ist der Quotient aus dem Logarithmus zur Basis 2 der Termfrequenz i und dem Logarithmus zur Basis 2 der Gesamtanzahl der vorkommenden Terme im Dokument j.» Nice Try! Ich empfehle ein anderes Vorgehen: Sag das, was du zu sagen hast. Und sag es richtig. Der Kolibri wird sich freuen. Google wird sein grosses Geheimnis eh für sich behalten…

Inhalt. Und Relevanz.
Sicher braucht auch Hummingbird Schlüsselbegriffe, um eine Seite zu indexieren. Und natürlich ist es auch nicht verkehrt, diese Keywords immer mal wieder einzustreuen. Aber genau das sucht ja auch ein menschlicher Leser. Mit anderen Worten (beziehungsweise mit den Worten des Herrn Google): «Nützlicher und fesselnder Content wird wahrscheinlich eure Website stärker beeinflussen als alle anderen Faktoren (…). Nutzer erkennen guten Content, wenn sie ihn sehen, und sie werden oft andere Nutzer darauf aufmerksam machen.» Relevante Keywords und Keyword-Kombinationen findest du übrigens im Keyword-Tool von Google Adwords bzw. in den Webmaster-Tools (die häufigsten Suchanfragen für deine Website bzw. die Suchanfragen, die den Nutzer auf deine Website führen). Aber jetzt geht es schlicht und einfach ums Schreiben. Für den Menschen. Das honoriert auch die Suchmaschine. Dazu zehn einfache Tipps:

1. Schlüsselwörter, die in der Headline und im Text vorkommen, verweisen auf Relevanz.
Mach also keine generischen Titel wie «Handwerkliche Perfektion», sondern lieber «handwerklich perfekt reparierte Zahnspangen». Und dass das Wort «Zahnspangen» im Text wieder vorkommen muss, dürfte ja selbstverständlich sein! Genau das sucht ja der Kunde!

2. Schreibe häppchenweise.
Strukturiere deinen Text. Denn der Websurfer hat keine Freude an ausufernden Blei- bzw. Pixelwüsten. Gliedere den Text mit Zwischentiteln. Packe auch dort relevante Schlüsselbegriffe ein. Denn sie sagen dem Leser wie der Maschine, was sie im Text erwartet.

3. Kein Keyword-Overkill.
Versuche nicht, jeden auch immer nur möglichen Schlüsselbegriff unterzubringen und dauernd zu wiederholen. Lieber mit drei oder vier Keywords arbeiten – dafür konsequent.

4. Öfter mal was Neues.
Veröffentliche immer wieder neuen Content. Denn deine Website ist nicht in Stein gemeisselt. Du änderst dich, die Zeiten ändern sich und die Website mit ihnen. Das bringt die Besucher auf deine Seite zurück. Und den Crawler von Google ebenfalls.

5. Wenn du auf eine andere Seite verweisen willst: Mache sinnvolle Ankertexte.
Verlinke also nicht Worte wie «hier» oder «hier klicken» oder «mehr» oder «Artikel». Sondern sag dem Leser gleich, wo er da hinkommt. Zum Beispiel: Presseartikel «Zu Besuch beim Zahnspangendoktor». Oder «Zur Website von Kieferorthopäde Dr. Hugentobler».

6. Sag klar, um wen es geht.
Firmenname (nicht als Grafik!), Tätigkeitsbezeichnung und Adresse gehören auf die Einstiegsseite, nicht nur dezent versteckt auf eine Kontakt-Seite.

7. Vermeide Double Content.
Du hast ein schön suchmaschinenkonform getextetes Intro. Am besten bringst du das doch gleich (allenfalls in leicht abgewandelter Form) auf jeder Seite … Pustekuchen! Erstens ist der Leser verstimmt, wenn er immer wieder dasselbe zu lesen bekommt. Und Google ist sogar richtig verärgert!

8. Versuche nicht, Google zu überlisten.
Es gibt immer noch Leute, die so merkwürdige Sachen probieren wie für die Nutzer unsichtbaren Text, der nur für die Suchmaschine gedacht ist, ganze Texte in Überschriften-Tags, Verlinkungen mit sinnlosen Linkfarmen, mit Schlüsselbegriffen überfrachtete endlose Metatags. Das alles bringt niemandem etwas. Dem Google-Crawler auch nicht …

9. Sei so intelligent wie deine User.
Es bringt nichts, nach «häufig falsch geschriebenen Suchbegriffen» zu suchen. Schreibe fehlerfrei, in einer gut konsumierbaren Sprache. Fehler sind nicht nur peinlich (korrekte Rechtschreibung ist Respekt dem Leser gegenüber!), sondern auch Google wird damit nicht viel anfangen können!

10. Rede mit einem Texter, der selber eine gut gelistete Website hat.
Es gibt Texter, die sich als Suchmaschinenspezialisten verkaufen und deren Seiten in den Google-Resultaten nirgends zu finden sind. Ausser wenn du gleich ihren vollständigen Namen und ihre Adresse eingibst. Sie werden dir nicht weiterhelfen. Die anderen schon.

Zu guter Letzt – lies das hier: Einfuehrung in Suchmaschinenoptimierung

Hallo Google! Willkommen auf meiner Website! (SEO Teil 2)

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als "Game-Machine" war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend "coole" Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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