Der ganzen NSA-Geschichte (weshalb erwähnt eigentlich niemand die Chinesen, Russen und Inder?) zum Trotz: Die Welt der Hoster und Service Provider ist sich einig – die Zukunft liegt in den Wolken. Schon heute überbieten sie sich darin, bequeme und praktische Speicherplätze in den heimatlichen und weltweiten Clouds anzubieten, immer mehr, immer günstiger.

Doch bereits machen sich viele davon Sorgen um die weitere Entwicklung. Und das mit gutem Grund: Es wird in Zukunft eben nicht nur darum gehen, Speicherplatz zur Verfügung zu stellen. Denn das allein ist als Geschäftsmodell ziemlich fragwürdig: Im Endeffekt wird hier einfach Platz auf Platten in riesigen Rechenzentren und Serverfarmen vermietet und untervermietet und unteruntervermietet. Dass der Untervermieter, also der kleinere Hoster – um auch noch ein bisschen etwas zu verdienen – dann auch entsprechend etwas auf den Preis draufschlägt, ist sein gutes Recht. So wie es das gute Recht des Kunden ist, dann zum billigeren Anbieter abzuwandern.

Der Trend geht also eindeutig in die Richtung, dass ein Hoster viel mehr leisten muss, als nur Platz zu vermieten. Vielmehr wird er seine Dienstleistungen kräftig um- und ausbauen müssen.

Eine Frage von Preis und Service
Viele Unternehmen klagen über zu hohe IT-Kosten. Auf der einen Seite betreiben sie eine gigantische Infrastruktur, die eigentlich völlig unrentabel ist, weil sie zu wenig ausgelastet ist und massive Unterhaltskosten verursacht. Oft ist sie auch unorganisch gewachsen, und es muss ein grosser Aufwand betrieben werden, damit all die unterschiedlichen Komponenten nahtlos zusammenarbeiten. Auf neue Systeme oder auch nur Software-Releases muss aus Kostengründen verzichtet werden.

Klar, dass viele neue Zauberwörter auftauchen: IT-Outsourcing. Managed Services. Infrastruktur-, Plattform- und Applikationsdienste. Dumme Web-Terminals statt komplizierte PCs, mobile Geräte statt Laptops …

«Nichts Neues», wirst du sagen. Stimmt. All das gibt es schon seit einiger Zeit. Aber diese Dienste und Technologien sind erst daran, den Durchbruch auf ganz breiter Front zu schaffen. Vielleicht auch deshalb, weil viele IT-Abteilungen lieber selber schuld sind an Downtimes, als einem Provider ausgeliefert zu sein …

Ein weiterer Bremsfaktor für weitere Entwicklungen war die bis jetzt immer sehr teure Bandbreite. Aber auch dieses Problem scheint unterdessen gelöst zu sein (ausser an Tagen, an denen sich die ganze Welt gleichzeitig ein neues iOS aufs Handy und Tablet abspitzen will). Also: Ist die Zeit reif für die grossen Revolutionen? Angekündigt sind sie schliesslich schon lange! Und: Wie reagieren die Hoster und Service Provider auf die Dinge, die da kommen sollen?

Die Zukunft liegt in den Wolken
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Grosse Revolutionen kommen durch die Hintertür
Revolutionen brauchen Zeit. Und vor allem den richtigen Ansatzpunkt. Manchmal sind es Business-Lösungen, die sich später auch im privaten Bereich durchsetzen und so zum nötigen Gewöhnungseffekt und zur entsprechenden Akzeptanz beitragen. Und manchmal ist es eben auch umgekehrt: Wenn sich eine Technologie im Privaten durchsetzt, sinken auch die Widerstände im Business-Bereich.

Wir denken: Die Anfänge für neue Geschäftsmodelle sind gemacht. Beispielsweise müssen immer weniger Anwendungen auf dem Gerät lokal installiert werden, sondern sie werden webbasiert betrieben. Tools, um Websites zu erstellen, Office-Lösungen, ganze ERP-Systeme und so weiter. Adobe bietet die neuesten Versionen seiner Creative Suite nur noch im webbasierten Abo an.

Genau diese Revolution stand schon einmal vor der Tür. Genau gesagt: Sie versuchte sich vor dem grossen Hauptportal mit Riesenlärm Gehör zu verschaffen. Aber man liess die roten Hähne vor der Zeit flattern. 2000 platzte die Dotcom-Blase, weil weder der Markt noch die Infrastruktur noch die Anwender so weit waren, die Revolution mitzutragen … im Unterschied zu heute: Vieles, was damals mit grossem Brimborium versprochen und selten eingehalten wurde, funktioniert heute, hat sich etabliert und still und heimlich über die Hintertüren der IT-Welt verbreitet. Das Revolutionäre ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Und demnächst: das Internet der Dinge
Trotzdem haben sich viele Voraussagen der Jahrtausendwende nicht erfüllt. Der berühmte Kühlschrank, der selbstständig Kaffeerähmchen und Erdbeerjoghurt bestellt, hat sich nie so richtig durchgesetzt. Doch in der Industrie setzt sich die Idee des «Internets der Dinge» immer mehr durch, in der Produktion und vor allem auch in der Logistik.

Die Informationslücken zwischen der realen und der virtuellen Welt schliessen sich langsam. Der gute alte PC wird ersetzt durch Web-gebundene «intelligente Gegenstände», die sich selber organisieren und den Menschen entlasten. Das Internet erhält viele neue, zusätzliche Aufgaben!

Was bedeutet das alles für Hoster und Speicherplatz-Vermieter?
Auf sie kommt eine grosse Herausforderung zu. Denn ihr Geschäft wird sich kräftig wandeln. Dass den User Interfaces eine kräftige Entwicklung bevorsteht, darüber sind sich die Experten einig. Dass nur einige der grossen Public-Cloud-Anbieter überleben und viele kleinere untergehen werden, wenn sie sich nicht weiterentwickeln – damit ist auch zu rechnen.

Also müssen sie sich Nischen suchen. Sie müssen ihre Rolle neu definieren. Sie werden nicht nur als Cloud Enabler tätig sein, sondern auch als Lizenzberater im Bereich von «Software as a Service». Sie werden schulen, Hardware und Software zur Verfügung stellen, sich intensiver mit den einzelnen Kunden und ihren Erwartungen auseinandersetzen müssen.
Sie werden die Vernetzung von Menschen und Maschinen, Dingen und Informationen mitgestalten.

Um die Jahrtausendwende versuchten Systemhäuser und Provider, den Kunden den Weg vorzugeben – und keiner folgte ihnen. In naher Zukunft werden die Kunden – private wie auch geschäftliche – neue Wege einschlagen, weil ihnen die neuen Technologien und Möglichkeiten einleuchten. Und sie werden engagierte Service Provider brauchen, die sie auf diesem Weg begleiten.

Wir haben verstanden. Und freuen uns darauf.

Die Zukunft liegt in den Wolken

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als „Game-Machine“ war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend „coole“ Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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