Am 20. Juni 2011 hat die ICANN beschlossen, weitere Internet-Domain-Endungen als generische Top Level Domains (gTLDs) einzuführen. Dies wird zur wohl grössten Veränderung in der Geschichte des Internets führen.

Für wen ist es interessant?
Es gibt bereits eine Reihe von Projekten von Gruppen wie .paris oder .eco, welche die Einführung dieser gTLDs planen. Viele Unternehmen erwägen zudem die Möglichkeit zu nutzen, damit ihre Marketing-Aktivitäten online zu verbessern und ihre Marke zu schützen. Der Beschluss, bekannt unter „the new gTLD Programme“ sieht vor, dass der Domainname mit nahezu jedem Wort in jeder Sprache enden kann. Dies bietet vorallem Unternehmen und grossen Gemeinden oder Städten eine ganze andere Möglichkeit, sich zu präsentieren beziehungsweise ihre Produkte zu vermarkten. Diese dramatische Ausweitung des Internet dürfte zu einer deutlichen Erhöhung der Anzahl der Domainnamen führen und stellt mehr Möglichkeiten für die Benutzer des Internet dar.

Was bedeutet dies für das Internet?
Wie alles hat diese Änderung gute aber auch schlechte Seiten. Positiv bewerten kann man, dass eine bekannte gTLD-Endung wie zum Beispiel .creditsuisse oder .paypal sicher das Potenzial hätte, Kunden und Nutzern dieser Webseiten eine gewisse Sicherheit zu geben, da dadurch die Möglichkeit von Internet-Angriffen wie Phishing-Betrug verringert wird. Zudem wird das Auffinden von legitimen Markeninhabern einfacher und reduziert die Wirksamkeit von gefälschten Webseiten.

Neue Domainendungen - Segen oder Fluch?
shadow

Eher negativ empfinde ich als Konsument jedoch die Tatsache, dass die neuen gTLDs die Art, wie Informationen im Internet zu finden sind, ändern wird. Das heisst, dass vor allem sehr grosse Unternehmen ihre Brandingstrategie und ihre Onlinepräsenz um die eigene gTLD bauen. Was nichts anderes heisst, dass es mehr (ungewollte?) Werbung im Netz gibt. Zudem wird es zweifellos die Art und Weise, wie Suchmaschinen das Ranking für Treffer erstellen, verändern. Hat ein lokaler Apple-Händler in Volketswil in einer Suchmaschine überhaupt noch eine Chance unter dem Begriff Apple ohne .apple-Domain gefunden zu werden?

Wer kann eine gTLD beantragen?
Eigentlich jeder. Eigentlich… Die erfolgreiche Bewerbung für eine neue gTLD ist nicht billig, nicht schnell und mit erheblichem internen und externen Aufwand verbunden. Die Bewerber müssen zuerst die 185’000 US$ Anmeldegebühr bezahlen (bei Negativbescheid, bekommt man das Geld nicht mehr zurück). Zudem muss der Bewerber aufzeigen bzw. sich verpflichten, wie er das finanzielle, technische und betriebliche Engagement für die Verwaltung und den Betrieb der neuen gTLD für bis zu 10 Jahren gewährleisten kann. Somit ist der Kreis erheblich eingeschränkt, dann nur sehr wenige Unternehmen oder Organisationen haben die Erfahrung, Ressourcen und die technische Fähigkeiten, um die Verwaltung und den Betrieb der neuen gTLD zu gewährleisten.

Aber falls sich jetzt jemand sagt, „ne, ne, das ist für mich kein Problem und das nötige Kleingeld habe ich auch“: Die ICANN nimmt die Bewerbung für eine neue TLD genau vom 12. Januar 2012 bis und mit 12. April 2012 an.

Neue Domainendungen – Segen oder Fluch?

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als „Game-Machine“ war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend „coole“ Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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