„Das Internet vergisst NICHT“ – ein Satz, den zwar alle kennen, aber trotzdem oft nicht beachten. Immer wieder hört man ja von Fällen, wo Personen wegen Fotos, die sie beispielsweise auf Facebook veröffentlicht haben und sie nicht gerade von der seriösesten Seite zeigen, Probleme bekommen.

Am Naheliegendsten wäre natürlich, die Fotos gar nicht erst zu veröffentlichen, oder dann die Fotos zumindest mit einem Verfalldatum zu versehen. Quasi eine Art digitaler Radiergummi, wie es die deutsche Bundesregierung propagiert.

Der digitale Radiergummi - Wenn's so einfach wäre
shadow

Mit X-pire ist nun auch tatsächlich ein solcher Dienst an den Start gegangen. Rein technisch gesehen wird in das zu schützende Bild eine ID integriert, für die auf einem Server bei der Herstellerfirma eine Verfallsdatum hinterlegt ist. Wird das Bild nun mit dem Browser aufgerufen, wird mittels eines Browser-Plugins überprüft, ob das Bild noch angezeigt werden darf. Ist das Verfallsdatum bereits überschritten, bekommt der Surfer nur noch ein schwarzes Bild zu sehen.

Allerdings leidet das System unter allerlei Schwächen. Voraussetzung für das Funktionieren von X-pire ist nämlich die Nutzung von Firefox, denn nur für diesen Browser ist das entsprechende Plugin verfügbar. Nutzer anderer Browser, wie etwa Safari, Chrome oder Opera sehen dabei nur schwarz – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihr Browser kann mit Bildern, die mit dem digitalen Radiergummi-System bearbeitet wurden, nichts anfangen. Dazu kommt, dass für die Nutzung von X-pire auch noch monatliche Kosten fällig werden. Eine Drei-Monats-Lizenz ist zum Preis von 6.99 Euro erhältlich, ein Abo für zwölf Monate gibt’s für 23.99 Euro.

Doch auch abgesehen von den technischen Schwächen wird sich so manches mit dem digitalen Radiergummi behandelte Foto trotz Verfallsdatum weiter im Internet halten. Wer das Foto beispielsweise kopiert oder einen Screenshot der Fotoseite erstellt, hat X-pire ausgehebelt. Und so dürfte die Chance gross sein, dass die vermeintlich nicht mehr zugänglichen Fotos weiterhin im Internet kursieren.

(Und nicht, dass hier nun Gerüchte entstehen: Das obige Foto stammt nicht von einem unwissenden Facebook-Nutzer, sondern aus dem flickr-Fotostream von Jessica Wilson, die das Foto explizit unter einer Creative Commons-Lizenz zur weiteren Verwendung freigegeben hat.)

Der digitale Radiergummi – Wenn’s so einfach wäre

Thomas Brühwiler

Tom Brühwiler ist bei Hostpoint Head of Communication und zudem verantwortlich für die Aktivitäten im Social-Media-Bereich. Er tippte schon als Jugendlicher auf einem Commodore 64 und schrieb seitenweise Basic-Code aus Heften ab. Meist aber nur, um danach festzustellen, dass sich im Zeichensalat ein Fehler eingeschlichen hat – und das Programm gar nicht läuft. Trotzdem kann er sich heute ein Leben ohne Computer nicht mehr vorstellen.

0