Im Jahr 1994 hörten sich Superlativen im Webhosting noch so an: 15 Megabyte Speicherplatz, ein Klickediklick-Webseiten-Baukasten, ein Dateimanager zur Erstellung und Verwaltung von Seiten und ein Online-HTML-Editor für erfahrene Benutzer.

Das kostenlose Angebot des amerikanischen Hosters Geocities war damals die Anlaufstelle für alle, welche sich im Internet zeigen wollten. Ja, wer in den 90er Jahren etwas auf sich hielt, hatte eine Geocities-Seite – die damals in etwa so populär war, wie es heute die eigene Facebook-Seite ist.

Geocities, das 1994 gegründet wurde, also rund 10 Jahre vor Facebook oder 9 Jahre vor MySpace und Google, wurde zum Höhepunkt des Dot.com-Booms im Jahr 1999 für unglaubliche 3,5 Milliarden Dollar von Yahoo übernommen. Genau zehn Jahre später stellte Yahoo den Betrieb von Geocities ein. Und damit verschwanden auch die letzten Klickibunti-Webseiten aus den Anfängen des World Wide Webs im Nirvana.

Geocities: Internet-Nostalgie zum Download
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Zumindest fast. Denn ein paar Fans hatten es sich zur Aufgabe gemacht, so viele Geocities-Webseiten wie nur möglich zu retten. Das extra dafür ins Leben gerufene Archive-Team konnte rund 900 Gigabyte Daten retten. Ob der vor der Schliessung des Angebots eilig programmierte Robot wirklich alle Daten sichern konnte, ist allerdings ungewiss, denn Yahoo habe noch nicht einmal die Gesamtdatenmenge nennen können, heisst es von seiten des Archive-Teams. Dennoch glauben die Archivierer, dass sie einen Grossteil des Bestandes retten konnten.

Die gesammelten 900 Gigabyte Daten will das Team nun (immerhin komprimiert) in Kürze als BitTorrent-Paket zum Download anbieten, wie sie in einem Blogbeitrag schreiben.

Ja darauf haben wir doch alle gewartet. Endlich wieder einmal in Webseiten mit unterlegten, automatisch startenden MIDI-Musikdateien stöbern und sich an den unsäglichen animierten GIF-Bildern erfreuen. Und für alle, die nicht mehr warten können: Auch die Hostpoint-Seiten gibt es natürlich als liebevoll animierte Geocities-Seite.

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Thomas Brühwiler

Tom Brühwiler ist bei Hostpoint Head of Communication und zudem verantwortlich für die Aktivitäten im Social-Media-Bereich. Er tippte schon als Jugendlicher auf einem Commodore 64 und schrieb seitenweise Basic-Code aus Heften ab. Meist aber nur, um danach festzustellen, dass sich im Zeichensalat ein Fehler eingeschlichen hat – und das Programm gar nicht läuft. Trotzdem kann er sich heute ein Leben ohne Computer nicht mehr vorstellen.

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