Der Hype – in vielen Büchern wird erläutert wie wichtig es doch ist in unserer heutigen Internetzeit einen Hype, eine Mund-zu-Mund Propaganda, zu generieren. Dadurch verkaufe man viel mehr von seinem Produkt als man das mit traditionellen Marketing machen kann. Und es ist erst noch kostengünstiger, wird da erklärt. „Uhhh – so cool, machen wir doch!„, dachten sich wohl ein paar Marketingheinis Marketingmenschen einiger deutschen Provider und – leider – Schweizer Kollegen.

Der Stein des Anstosses ist die heute gelaunchte .CO Domainendung. .CO steht für Kolumbien und wäre eigentlich nur eine Randnotiz wert – wer hat schon erfahren, dass seit einiger Zeit jedermann auch Domains aus Afghanistan kaufen kann? Eben. Dass das Domaingeschäft vor allem im englischsprachigen Raum nicht mehr so wächst wie früher, ist kein Geheimnis. Man suchte händeringend einen neuen Absatzkanal, einen Verkaufsschlager wie die .COM anno dazumal. Als die kolumbianische Registrierungsstelle Ende 2009 mitgeteilt hat, dass die .CO im Verlaufe des 2010  für jedermann ohne Auflagen registrierbar sei, hatten einige schlauen Köpfe aus dem angelsächsischen Raum die zündende Idee: .CO ist doch eine Abkürzung für Company! Gedacht und umgesetzt: Im englischsprachigen Raum wird die Domain als Abkürzung für die englische Firma vermarktet.

.com ohne m oder der Krampf einen Hype zu erzeugen
shadow

1. Versuch – nein? OK, 2. Versuch
Was hat das nun mit dem Hype zu tun? Im Allgemeinen haben wir Deutschsprachigen ja die kuriose Angewohnheit, alles super-cool zu finden was da aus Amerika zu uns rüberschwappt. So auch die Idee die kolumbianische Endung als DEN Gassenhauer für Firmen anzupreisen…. So ein, zwei Monate nach den ersten Kampagnen merkte man, dass das Vorregistrieren extrem hartze, sprich der vermeintliche Hit verkaufte sich extrem schleppend. Irgendwo in Deutschland hatte nun irgendwer gemerkt, dass im deutschsprachigen die Firma relativ selten als Co abgekürzt wird. Was im englischen durchaus Sinn macht, z.B. Scotts Garden & Co. ist nun mal bei uns eher die Garten Meier AG oder GmbH. Doch wer nun denkt: Man hat gelernt, der irrt.

Ganz ehrlich, ich habe mich schon ab der Werbung „.CO – Ihre Premium Domain für Ihre Firma“ genervt. Aber was dann kam haute mich um… : „.CO Ihre .COM Domain ohne M„. Hallo? Liebe Marketingmenschen, die Natur hat mir ein gewisses Intelligenzpotenzial geschenkt! Da kam dann nicht ein E-Mail, nein, nein, kurz vor dem heutigen Start kamen täglich E-Mails immer und immer wieder. Leider sprangen auch einige Schweizer Kollegen auf diesen Zug auf.

Ich frage mich ernsthaft ob es sich kurzfristig lohnt, des Hype-Willens den Kunden zu veräppeln. Jeder Provider soll das für sich alleine beantworten, aber ich denke unsere Kunden sind intelligent und würden merken, wenn wir ihnen ein X für ein U verkaufen.

.com ohne m oder der Krampf einen Hype zu erzeugen

Sandro Bertschinger

Er fand Computer relative lange nicht so spannend. Ein Amiga 500 als „Game-Machine“ war der Höhepunkt. Als das Internet aufkam und man entsprechend „coole“ Webseiten machen konnte, kam das Thema Computer schon eher in den Mittelpunkt. Per Zufall kreuzte dann 2001 eine Internetfirma seinen Weg.

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